Hörguides

Tupac auf Vinyl sammeln: Pressungen, Reissues und Fallen

Von Selim Rochat · 18. Juli 2026 · 6 Min. Lesezeit

Vor rund fünfzehn Jahren, bei einem inzwischen geschlossenen Plattenhändler in der Lausanner Innenstadt, stieß ich im Hip-Hop-Fach auf ein amerikanisches Exemplar von All Eyez on Me, eingeklemmt zwischen zwei Funk-Compilations. Der Preis auf dem Etikett ließ mich zögern, damals ungefähr das, was eine Tankfüllung kostete. Ich legte die Platte zurück, überzeugt, später schon eine andere zu finden. Ich suche sie noch heute. Diese Geschichte fasst ziemlich gut zusammen, was aus der Jagd nach Tupac-Vinyl geworden ist: ein Terrain, auf dem die Versäumnisse teurer werden als die Käufe.

Warum Tupac auf Vinyl ein Sonderfall ist

Zuerst muss man eines verstehen: In den Neunzigern verkaufte sich Rap auf CD und Kassette. Das Vinyl überlebte dank der DJs und der Promo-Maxis, aber komplette Alben wurden in bescheidenen Stückzahlen gepresst, jedenfalls gemessen an den Gesamtverkäufen. Eine Platte, die sich millionenfach auf CD verkauft hat, kann als zeitgenössisches Vinyl in bloß einigen zehntausend Exemplaren existieren, oft übel zugerichtet von Party-Plattenspielern.

Nimm dazu einen posthumen Ruhm, der nie nachgelassen hat, und du bekommst die perfekte Formel: starke weltweite Nachfrage, begrenztes ursprüngliches Angebot, also ein Markt, auf dem die Preise klettern und die Fälscher gedeihen. Ich sage es gleich zu Beginn, weil es der Schlüssel zu allem Folgenden ist: Bei Tupac ist Misstrauen keine Kür, sondern Pflicht.

Die Originale, die die Jagd lohnen

Vier Alben bündeln das Wesentliche des Sammlerinteresses, und es sind folgerichtig die vier, die zu seinen Lebzeiten oder kurz nach seinem Tod erschienen sind.

2Pacalypse Now, Ende 1991 bei Interscope erschienen, ist das Debüt, gepresst in einer Zeit, als das Vinyl kommerziell im freien Fall war. Amerikanische Exemplare von damals sind in Europa selten, und ein sauberes Stück mit intaktem Cover wird heute deutlich über dem Preis eines Reissues gehandelt. Es ist eine karge, verstörende, politisch aufgeladene Platte, und ihre relative Seltenheit macht sie zu einem echten Grundpfeiler jeder Sammlung.

Me Against the World, im März 1995 während Tupacs Haft erschienen, ist von den vieren als Originalpressung vielleicht die gesuchteste. Das Album verkaufte sich massenhaft auf CD, aber die ursprüngliche Vinylauflage blieb überschaubar. In meinem Hörguide zu Me Against the World erkläre ich, warum diese introspektive Platte Tupacs künstlerischer Gipfel ist; es ist, wenig überraschend, auch die, deren Original auf dem Gebrauchtmarkt Höchststände erreicht. Rechne mit mehreren hundert Franken für ein ordentliches Exemplar, mit mehr für sehr schönen Zustand.

All Eyez on Me, Februar 1996, liegt anders. Es ist im diskografischen Sinn ein Doppelalbum, über zwei Stunden Musik, was auf Vinyl eine Box mit mehreren Platten ergibt, und die modernen Reissues kursieren meist als 4LP. Die Death-Row-Auflage von damals ist voluminös, schwer, am Cover empfindlich, und vollständige Exemplare in gutem Zustand werden rar. Was diese Platte in Tupacs Werdegang bedeutet, habe ich an anderer Stelle erzählt; für die Sammlung merke dir: Ein vollständiges Original ist ein ernsthaftes Stück, ein unvollständiges oder abgenudeltes lohnt den Umweg nicht.

The Don Killuminati: The 7 Day Theory schließlich, im November 1996 unter dem Namen Makaveli erschienen, zwei Monate nach Tupacs Tod. Das Cover mit dem gekreuzigten Christus machte die Platte sofort zum Kultobjekt. Die Pressungen von damals sind stark gefragt, und die bewegte Geschichte des Death-Row-Katalogs, mehrfach verkauft und umgebaut, hat dafür gesorgt, dass die offiziellen Reissues lange erratisch blieben. Genau die Art von Lücke, die Piratenpressungen liebend gern füllen; dazu weiter unten mehr.

Bei den Preisen bleibe ich bewusst vage, und das ist eine Entscheidung. Die Kurse bewegen sich, schwanken enorm je nach Zustand, und die präzisen Zahlen, die man hier und da liest, sind oft verlangte Preise, keine bezahlten. Merke dir Größenordnungen: Aktuelle Reissues finden sich zwischen dreißig und sechzig Franken, ordentliche Originale beginnen um hundert bis zweihundert Franken, und die schönsten Exemplare der Alben von 1995 und 1996 gehen deutlich darüber hinaus.

Was die neuen Reissues taugen

Gute Nachricht für alle, die hören statt spekulieren wollen: Die Lage bei den offiziellen Reissues hat sich deutlich gebessert. Me Against the World bekam 2020 zum Fünfundzwanzigsten eine saubere, breit vertriebene Neuauflage, heute der einfachste Zugang zu diesem Album. All Eyez on Me kursiert als offizielles 4LP-Reissue, 2Pacalypse Now wurde ebenfalls neu gepresst, und der zu Lebzeiten erschienene Katalog ist insgesamt wieder neu erhältlich.

Halten sie, was sie sollen? Ehrlich gesagt ja, für den Gebrauch, der zählt. Die Pressung ist ordentlich, die Cover sind getreu, und das Verhältnis von Preis zu Hörvergnügen ist mit dem der Originale nicht zu vergleichen. Was diese Reissues dagegen nicht sind: eine Geldanlage. Sie werden in großen Stückzahlen gepresst und bleiben es, solange die Nachfrage da ist. Wenn dir jemand ein aktuelles Reissue zum Preis eines Originals verkaufen will und dabei von Investment redet, wechsle den Händler.

Die Fallen: Fälschungen und zweifelhafte Pressungen

Kommen wir zum unangenehmen Teil. Tupac gehört zu den meistgefälschten Künstlern des Vinylmarkts, mit einer Spezialität: den sogenannten inoffiziellen europäischen Pressungen, oft auf farbigem Vinyl, mit leicht unscharfen Covern und ohne jede glaubwürdige Labelangabe. Auf manchen Marktplätzen findet man sie zuhauf, mitunter in gutem Glauben verkauft von Leuten, die nicht wissen, was sie da erworben haben.

Ein paar Reflexe haben mir etliche Fehler erspart. Prüfe systematisch die Katalognummer auf Discogs und vergleiche sie mit den erfassten Editionen; Pressungen mit dem Vermerk Unofficial Release sind dort klar gekennzeichnet. Sei skeptisch bei farbigem Vinyl ohne dokumentierte Herkunft, bei Picture Discs, die das Label nie angekündigt hat, und bei posthumen Alben, die es offiziell nie auf Vinyl gab und die dir trotzdem angeboten werden. Misstraue vor allem allzu sanften Preisen: Ein Original von All Eyez on Me für vierzig Franken ist kein Schnäppchen, sondern ein Alarmsignal. Und eine Platte aus den Neunzigern, die noch eingeschweißt ist, verdient einen genauen Blick, denn das Nachschweißen in Plastikfolie bekommt heute jeder hin.

Kaufen aus der Schweiz: was wirklich funktioniert

Reden wir übers Terrain, denn die Schweizer Realität hat ihre Eigenheiten. Im Laden liefern die Occasionsfächer von Lausanne, Genf, Bern oder Zürich selten Tupac-Originale; wenn sie auftauchen, sind sie schnell weg, und zwar zu Kennerpreisen. Plattenbörsen bleiben ein ehrlicher Weg, vorausgesetzt, du bist früh da und kennst die oben genannten Kontrollpunkte.

Online bleibt Discogs die Referenz für Originale, mit einem helvetischen Wermutstropfen: Ein Kauf in den USA oder in Großbritannien bedeutet happige Portokosten, dann Einfuhrmehrwertsteuer und Verzollungsgebühren des Transporteurs, sobald der Wert die Freigrenze übersteigt. Bei einer Platte für hundertfünfzig Franken kann die Endabrechnung wehtun. Bevorzuge, wo immer möglich, Schweizer oder europäische Verkäufer, und lies die Bewertungen, bevor du zahlst. Ricardo hält gelegentlich gute Überraschungen bei weiterverkauften Reissues bereit, seltener bei echten Originalen.

Für Neuware führen die großen Schweizer Onlinehändler inzwischen das Wesentliche der offiziellen Katalog-Reissues, zu Preisen auf dem Niveau der Fachgeschäfte, lokale Lieferung und Rückgaberecht inklusive.

Womit anfangen bei vernünftigem Budget

Müsste ich mit hundertfünfzig Franken bei null anfangen, würde ich Folgendes tun, und genau das rate ich denen, die mich fragen. Vergiss die Originale fürs Erste: Für dieses Budget bekommst du nur müde Exemplare oder Fälschungen. Nimm zwei aktuelle offizielle Reissues, beginnend mit der Jubiläumsausgabe von Me Against the World zum Fünfundzwanzigsten, dann die 4LP-Box von All Eyez on Me, sobald das Budget es wieder hergibt. So deckst du beide Seiten des Werks ab, die Innenschau und die Maßlosigkeit, auf neuen, verlässlichen Pressungen.

Und für den Kauf selbst ist mein praktischer Rat zugegebenermaßen banal: Geh über einen großen Schweizer Händler wie Galaxus, der diese offiziellen Reissues zu korrekten Preisen führt. Du zahlst in Franken, du umgehst die Zolllotterie, und bei einer verzogenen Platte oder einem beschädigten Cover ist die Rücksendung in ein paar Klicks erledigt, was dir kein Discogs-Verkäufer am anderen Ende der Welt bieten wird. Die Originale kommen später, wenn du genau weißt, was du suchst und warum. Das ist die richtige Reihenfolge: erst die Musik, dann die Jagd. Die Spekulation kann unbegrenzt warten.

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